Innovation Fund: Fördervereinbarung für CO2LLECT unterschrieben
Am 07. März 2025 unterschrieben die EU und Cemex das sogenannte “Grant Agreement” (Fördervereinbarung) für die Förderung des größten CCS-Projektes im globalen Cemex-Konzern, namens“CO2LLECT”. Gleichzeitig ist es aktuell auch das größte CCS-Projekt in Ostdeutschland. Die Förderung wird durch den Innovation Fund vorgenommen. Dieser Fonds speist sich aus den Einnahmen durch Emissionszertifikate und reinvestiert das Geld in innovative Projekte zur CO2-Reduktion. Die stattliche Fördersumme für CO2LLECT beträgt insgesamt 157 Millionen Euro. Der Projektzeitraum reicht von 2025 bis 2030. Der Erfolg der Bewerbung stellt den gewünschten, langfristigen Erhalt des Zementwerks Rüdersdorf in Aussicht.
CO2LLECT
CO2LLECT ist ein gigantisches Transformationsprojekt zur CO₂-Abscheidung im Zementwerk Rüdersdorf. Im Rahmen des Projektes arbeitet Cemex mit Linde als externem Partner zusammen. Linde, ein weltweit führendes Industriegase- und Engineering-Unternehmen, ist auf die Technologie zur Abscheidung von CO₂ spezialisiert und wird aller Voraussicht nach auf dem Werksgelände des Rüdersdorfer Zementwerks eine Anlage zur Kohlenstoffabscheidung und -verflüssigung bauen, besitzen und betreiben.
Die neue Anlage zielt darauf ab, jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen CO₂ aus der Zementproduktion abzuscheiden, zu verflüssigen und zu reinigen. Im Anschluss wird das flüssige CO₂ in speziell angefertigte Kesselwagen verladen und auf der Schiene zu einem CO₂-Zwischenhub transportiert, bevor es zu einem Offshore-Speicher in der Nordsee verschifft wird.
Bei der CO₂-Abscheidungstechnologie (Linde HISORP® CC) handelt es sich um ein adsorptiv-kryogenes Abscheidungsverfahren, welches das Abgas direkt an der Emissionsquelle abgreift. Die Gase werden mittels Druck- und Temperaturanpassungen sowie Adsorptionsmittel behandelt, bis letztlich pures, flüssiges CO₂ isoliert wird.
Das flüssige CO₂ wird zunächst in Zwischenbehältern gelagert und von dort in spezielle Bahn-Kesselwagen verladen. Da Cemex über einen Güterbahnhofanschluss verfügt, ist es die sinnvollste Lösung, das verflüssigte CO₂ über die Bahn abzutransportieren. Dafür wird die bestehende, aktive Gleisstrecke, die vom Werk Richtung Norden führt, verwendet. Die Zugstrecke führt an Rüdersdorf vorbei, durch Petershagen-Eggersdorf hindurch, auf die DB-Trasse Fredersdorf – Biesdorfer Kreuz. Von da aus wird das flüssige CO₂ zur deutschen Küste befördert. Der Bahntransport selbst wird von einem Eisenbahnverkehrsunternehmen durchgeführt. Zwei Ganzzüge mit je 36 Wagen werden täglich voll zur Küste und leer nach Rüdersdorf zurückbefördert.
Der Bahntransport kann und wird nur eine Übergangslösung sein, jedoch wird es einige Jahre dauern, bis genug CCS-Projekte in geografischer Nähe den Bau einer CO₂-Pipeline wirtschaftlich rechtfertigen.
Die Kesselwagen werden neu produziert und müssen speziellen Transportanforderungen gerecht werden. Der Transport von C0₂ ist als Gefahrenguttransport der Klasse 2.3 klassifiziert. Das liegt daran, dass das Gas bei niedrigen Temperaturen und großem Druck transportiert wird. Die Kesselwagen sind mit orange-farbenden Streifen gekennzeichnet. Die Wägen sind durch Isolation, Sensorik und digitale Überwachung gegen Havarien und Fremdeinwirkung geschützt. Außerdem gibt es national und international vorgeschriebene Sicherheitsprozesse.
Im Hafen wird das CO₂ von den Bahn-Kesselwagen auf ein Schiff umgeladen und zur Einlagerungsstätte im Ausland transportiert. Dort wird das CO₂ unter den Meeresboden injiziert. Aktuell liegen genehmigte Speicherorte unter dem Meeresboden in den Niederlanden, Großbritannien und Skandinavien. Diese Länder nutzen entweder poröse Gesteinsformationen, wie Sandstein, zur Einlagerung des CO₂ oder aber alte Erdöl- und Erdgaslagerstätten. Norwegen, als Beispiel, hat bereits 25 Jahre Erfahrung mit diesem Prozess.
Das Projekt wird flankiert durch die regionale Erzeugung von grünem Strom sowie einer nachhaltigen Kreislaufführung des aus dem Abgaskondensat gewonnenen Wassers. Das Besondere an CO2LLECT ist, dass ein Teil des Abgasstromes, der sonst in gasförmiger Form durch den Kamin entweicht, durch die Abscheidung verflüssigt und in Wasser umgewandelt wird. Dieses zunächst belastete Prozesswasser soll in einer Abwasserbehandlungsanlage gereinigt und qualitativ so hochwertig aufbereitet werden, dass es den Reinheitskriterien einer Einleitung in den Stienitzsee entspricht. Dadurch wird das Zementwerk Rüdersdorf wasserpositiv, d.h. es leitet mehr Wasser in den See ein, als es entnimmt.
Insgesamt benötigt CO2LLECT viel Energie. Mit der Abscheideanlage braucht das Zementwerk drei Mal so viel Energie wie heute. Um diesen Bedarf zu decken, ist CO2LLECT auf neue Energiezufuhr angewiesen, dazu gehört sowohl regionale erneuerbare Energie als auch ein mittelfristiger Netz-Ausbau.
Der Zeitplan des Projektes sieht vor, dass bis Mitte/Ende 2027 die Vorstudien und Genehmigungsprozesse laufen. Die Baumaßnahmen der Abscheidungsanlage sollen 2028 beginnen und werden voraussichtlich im ersten Quartal 2030 abgeschlossen sein. So könnte das CCS Verfahren hier schon Mitte 2030 beginnen.